Die Kraft der Innovation

Der Weinbau in Deutschland konzentriert sich in erster Linie auf einige Kernregionen entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse. Mehr als die Hälfte der deutschen Anbaugebiete liegen in Rheinland-Pfalz, Deutschlands bedeutendster Weinregion. Insgesamt verfügt das Land über etwa 1.020 Quadratkilometer Weinberge und ist damit der achtgrößte Weinproduzent der Welt.

Unter Liebhabern ist der exzellente Ruf Deutschlands als Weinland vor allem der Riesling-Traube zu verdanken, die sich vorzüglich für aromatische, fruchtige und elegante Weißweine eignet: knackig und trocken, gut ausgewogen, süß und prägnant aromatisch. Obwohl die Welt Deutschland in erster Linie wegen der exquisiten Weißweine kennt, stieg auch die deutsche Rotweinproduktion – angetrieben von einer steigenden Binnennachfrage – in den 1990ern und frühen 2000ern stark an. Auf deutschen Weinbergen machen dunkle Rebsorten nunmehr gut ein Drittel der gesamten Oberfläche aus. Die beliebteste rote Rebe ist sicher der Spätburgunder, international besser bekannt als Pinot Noir.

Die Geschichte deutscher Weine beginnt vor gut 2.000 Jahren, als Teile Germaniens von den Römern besetzt waren. Wahrscheinlich kultivierten diese ihre heimischen Reben in den besetzten Gebieten, um den umständlichen Transport ihrer Weine über die Alpen zu vermeiden. Angefacht durch die klösterliche Weinkultur war der Rebsaft bereits ein äußerst beliebtes Volksgetränk, als Kaiser Karl der Große im achten Jahrhundert den Anbau, die Verarbeitung und den Verkauf von Wein drastisch regulierte.

Nachdem Napoleon etwa 900 Jahre später die linksrheinischen Gebiete erobert hatte, herrschten die Franzosen über den deutschen Weinbau. Durch ihren hohen Qualitätsanspruch verhalfen sie deutschen Weinen weltweit zu neuem Erfolg, der erst gebremst wurde, als die Reblaus in den 1860ern ihr Unwesen zu treiben begann. Der Schädling brachte die Weinwirtschaft in ganz Europa nahezu zum Erliegen und nahm der heimischen Weinkultur einiges von ihrer Vielfalt. Erst als bekannt wurde, dass die Wurzeln amerikanischer Weinreben nicht von der Reblaus befallen wurden, konnte ihr Einhalt geboten werden, indem man Edelsorte auf resistente Wurzelstöcke aufpfropfte. Durch diesen und weitere Fortschritte in der Rebzüchtung entstand jenes umfangreiche Weinsortiment, das den deutschen Weinbau heute auszeichnet.

Neben Weinen aus Deutschland ist auch die Nachfrage nach dem Fachwissen deutscher Winzer weltweit ungebrochen. Der Einfluss deutscher Kellertechnik und Weinforschung reicht von Nord- und Südamerika über Afrika bis nach Australien.

Historisch betrachtet zeichnet deutschen Wein vor allem eines aus: Ideenreichtum und die Kraft der Innovation. Ohne den Erfindergeist deutscher Önologen und Weinwirte gäbe es junge Sorten wie Kerner (1929) oder Dornfelder (1955) erst gar nicht.