Mineralische Spezialitäten aus altem Meeresgrund

Limari Valley ist eine Weinbauregion in Nord-Chile. Wegen seiner geographischen Lage bei 30 Grad südlicher Breite sind Landschaft und Klima in Limari Valley sehr heiß und trocken. Die Region grenzt im Norden an die Aracama-Wüste, die trockenste Wüste der Welt. Nur die kühlen morgendlichen Brisen und Küstennebel, die durch eine Lücke in den Küstengebirgen in die Region strömen, verschaffen Limari Valley etwas Abkühlung, bis sie am Mittag von der sengenden Sonne vertrieben werden. Diese Anomalie ermöglicht es den Winzern in den niederen Regionen des Limari Valley Weingebiets selbst cool-climate-Weine zu erzeugen.

Seit langer Zeit werden Limari Valleys Weinberge in erster Linie für die Produktion von Tafeltrauben genutzt oder zu Pisco destilliert, dem chilenischen Lebenswasser. Weniger als ein Fünftel der Trauben aus Limari Valley sind für die Produktion hochqualitativer Tischweine bestimmt.
Quer durch das Zentrum von Limari Valley fließt der gleichnamige Fluss und bringt das für die Weinbauern überlebenswichtige Schmelzwasser aus den Gipfeln der Anden in die Städte und Felder. Nur so ist es den Winzern möglich, den äußerst geringen jährlichen Niederschlag auszugleichen. Ein Großteil der ansässigen Weinindustrie hat sich um den Embalse de Paloma versammelt, ein großer, künstlicher See südöstlich der Stadt Ovalle.

Die verschiedenen Kalksteinböden im Limari Valley sind eine Seltenheit für chilenische Terroirs. Sie sind Überbleibsel ehemaliger Meeresgründe, die durch tektonisch Aktivitäten in die Anden gedrückt wurden, um von dort durch Gletscher und Flüsse in die Ebenen und Täler gewaschen zu werden.

Der Star unter den Rebsorten im Limari Valley ist unbestritten Chardonnay, der dank der mineralhaltigen Böden und den kühlen Pazifik-Einflüssen vorzügliche, leicht mineralische Weine gibt. Auch Syrah wird gerne angebaut und variiert von eher herzhaften, pikanten Weinen in den kühleren, küstennahen Gebieten bis zu eher fruchtigen Varianten aus den wärmeren Anbaugebieten im Osten der Region.

Kleine Geschichte des Rebbaus in Chile

In Chile ist der Weinbau seit der Zeit der spanischen Eroberer dokumentiert, die im 16. Jahrhundert erstmals eigene Reben kultivierten, die sie mit ins Land gebracht hatten. Es wird vermutet, dass Chile schon im 18. Jahrhundert Weine exportiert hat, doch erst zu Anfang der 1980er Jahre konnte sich nach einer umfangreichen Modernisierung der Weinproduktion und -wirtschaft eine stetig wachsende, florierende Weinkultur ausprägen. Die Exporte chilenischer Weine stiegen analog zur Produktion von Qualitätsweinen, und die Anzahl chilenischer Weingüter wuchs von lediglich zwölf im Jahr 1995 auf mehr als siebzig in 2005. Heute hält Chile im internationalen Vergleich den fünften und neunten Platz der größten Weinexporteure und -produzenten der Welt.