Kompositionen aus dem Land der tausend Hügel

Die Weinbauregion Rheinhessen, auch bekannt als das Land der tausend Hügel, produziert das größte Volumen von Qualitätsweinen in Deutschland. Einst ein Teil des Großherzogtums von Hesse-Darmstadt, gehört Rheinhessen heute zu Rheinland-Pfalz und erstreckt sich zwischen dem Rheingau im Süden, der Pfalz im Norden und der Nahe im Osten. Wie im Nordosten der Rhein, so bilden die bewaldeten Hänge des Haardt und der Fluss Nahe im Süden und Westen die natürlichen Grenzen der Region.

Das Areal Rheinhessens ist in drei Bereiche aufgeteilt, in denen Weine verschiedener Qualität und Komposition produziert werden. Oft wird der Bereich Nierstein als qualitativ führend zitiert, da er sehr nahe am Rhein liegt und damit von den reichen Mineralvorkommen im Flussbett profitiert. Hier befindet sich auch der berühmte Rote Hang, benannt nach der Farbe seines Schiefergesteins. Der Bereich Bingen erstreckt sich um Ingelheim im Nordwesten, wo die Mehrheit der Trauben für die roten Weine Rheinhessens angebaut wird. Wonnegau, der dritte Anbaubereich, liegt weiter im Süden und umschließt Worms und Alzey, die Geburtsstätte der 1916 entwickelten Scheurebe.

Die steinigen Böden von Löss und Lehm sorgen im Zusammenspiel mit dem Rheinklima für warme Abende, und mit nur 500 mm Jahresniederschlag zählen Rheinhessens Weinriede trotz Flussnähe zu den trockensten Deutschlands.
Die populärsten Weine Rheinhessens sind Kompositionen aus Müller-Thurgau und Riesling, wobei sich der Trend aktuell in Richtung trockener Varianten neigt. Als rote Vertreter unter den rheinhessischen Weinen sind in erster Linie Dornfelder und Spätburgunder zu nennen; gerade Letztgenannter erfreut sich seit einiger Zeit stetig wachsender Beliebtheit.

Kleine Geschichte des Rebbaus in Deutschland

Als die römischen Eroberer vor etwa 2.000 Jahren nach Germanien kamen, kultivierten sie heimische Weinreben, um keine Fässer über die Alpen transportieren zu müssen. Der Wein wurde schnell zu einem beliebten Volksgetränk, das mit dem wachsenden Einfluss des Christentums bald vornehmlich in Klöstern produziert wurde. Im achten Jahrhundert erließ Karl der Große Gesetze zur Regulierung von Anbau, Herstellung und Verkauf von Wein.
Mit der Eroberung der linksrheinischen Gebiete herrschten die Franzosen ab 1801 über die dortige Weinwirtschaft und verhalf dem deutschen Rebbau durch hohe Qualitätsansprüche zu einem erneuten Aufschwung, der erst durch das epidemische Auftreten der Reblaus in den 1860er zum Erliegen kam. Dank Mut zu neuen Innovationen, Einfallsreichtum und technischem Fachwissen konnte der deutsche Weinbau schließlich eine neue Blüte treiben jenes umfangreiche Sortiment an Qualitätsweinen hervorbringen, das heute rund um die Welt von Laien und Kennern gleichermaßen geschätzt wird.